Linoldruck ohne Presse: warum ich auf Lokta-Papier drucke
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Wer mit Linolschnitt anfängt, stößt ziemlich schnell auf dieselbe Frage: Auf was drucke ich das eigentlich?
Kopierpapier ist zu glatt und zu steif, der Abzug wird fleckig. Aquarellpapier ist zu dick und zu rau, ohne Presse bekommt man die Farbe nicht in die Vertiefungen. Und die Papiere, die überall empfohlen werden, sind fast ausnahmslos japanische – Kitakata, Awagami, Mingeishi. Sie sind großartig. Sie sind hier aber auch teuer, und für den Anfang legt man ungern viel Geld in Papier, das man vielleicht ruiniert.
Ich drucke selbst Linolschnitte, ohne Presse, von Hand. Und ich drucke auf Lokta-Papier aus Nepal. Warum das gut funktioniert, steht hier – samt der Dinge, die du wissen solltest, bevor du es probierst.
Warum das Gewicht der entscheidende Punkt ist
Wenn du ohne Presse arbeitest, also mit Falzbein, Löffel oder Reiber, dann bist du selbst die Presse. Und du hast weniger Kraft als eine Maschine.
Deshalb gilt beim Handdruck: je leichter das Papier, desto müheloser der Abzug. Als brauchbarer Bereich gelten grob 30 bis 120 Gramm pro Quadratmeter, wobei die Empfehlungen für reinen Handdruck deutlich am unteren Ende liegen. Kitakata hat 30 Gramm, Awagami Mingeishi 45.
Lokta-Papier in der dünnen Ausführung liegt bei 40 Gramm. Also genau dort, wo es hingehört.
Schweres Papier ist beim Handdruck nicht unmöglich, aber es zwingt dich zum Anfeuchten, und damit fängt der Ärger an: ungleichmäßige Feuchte, verlaufende Farbe, wellige Blätter. Mit dünnem Papier umgehst du das komplett.
Warum säurefrei nicht nur ein Wort ist
Sobald du deine Drucke verkaufst oder verschenkst, wird eine Eigenschaft wichtig, die man am Anfang übersieht: Säurefreiheit.
Holzhaltiges Papier enthält Lignin. Lignin zerfällt unter Licht und Luft, das Papier vergilbt und wird brüchig. Deshalb sieht eine Zeitung nach zehn Jahren aus wie eine Zeitung nach zehn Jahren.
Lokta hat kein Lignin, weil es kein Holzpapier ist. Es wird aus der Rinde des Daphne-Strauchs gemacht, und es ist säurefrei. In Nepal wurden über Jahrhunderte genau deshalb Urkunden und buddhistische Schriften darauf geschrieben; erhaltene Handschriften gelten als weit über tausend Jahre alt.
Für dich heißt das: Ein Abzug, den du heute machst, sieht in zwanzig Jahren noch so aus wie heute. Wer Drucke in einer Auflage verkauft, kann das guten Gewissens dazusagen.
Warum es beim Reiben nicht kaputtgeht
Der zweite Grund ist mechanisch. Beim Handdruck legst du das Papier auf die eingefärbte Platte und reibst es von der Rückseite. Dabei wirkt einiges an Druck und Reibung auf eine Stelle, die ohnehin schon feucht von Farbe ist.
Dünnes Papier ist da normalerweise heikel. Es knickt leicht, und bei zu kräftigem Reiben lösen sich Fasern von der Rückseite.
Lokta hält das erstaunlich gut aus, und das liegt an der Faser. Die Bastfasern des Daphne-Strauchs sind sehr lang und verhaken sich beim Schöpfen ineinander wie ein Filz. Ein Riss müsste sich seinen Weg durch dieses Geflecht suchen, statt einfach eine Faser zu durchtrennen. Genau deshalb kann man Lokta knicken, falten und rollen, ohne dass es bricht.
Wie ich vorgehe
Kein Geheimwissen, aber vielleicht hilft es dir beim Einstieg.
Ich walze die Farbe dünn auf die Platte – lieber zweimal dünn als einmal dick, sonst läuft es in die Schnitte. Dann lege ich das Blatt auf und streiche es erst mit der flachen Hand grob an.
Danach kommt das Reiben. Erst mit der Rückseite eines Löffels oder mit dem Falzbein in kreisenden Bewegungen über die ganze Fläche, dann noch einmal gezielt über die Kanten und die großen Flächen. Wichtig ist, systematisch vorzugehen und keine Stelle auszulassen – was man vergisst, sieht man später sofort.
Zwischendurch kann man vorsichtig eine Ecke anheben und nachsehen, ob die Farbe schon deckt. Solange man die andere Ecke nicht bewegt, kann man das Blatt wieder zurücklegen und weiterreiben.
Und dann: liegen lassen zum Trocknen. Dünnes Papier wellt sich beim Trocknen etwas; unter ein paar Büchern wird es wieder flach.
Was du erwarten kannst – und was nicht
Hier bin ich lieber ehrlich, damit du nicht enttäuscht bist.
Lokta hat eine sichtbare Struktur. Es ist handgeschöpft und an Sonne und Wind getrocknet, die Oberfläche ist nicht glatt. Für kräftige, grafische Schnitte ist das ein Gewinn: Der Druck bekommt etwas Lebendiges, das ein glattes Papier nicht liefert. Für sehr feine, dichte Linien kann es dagegen stören, weil die Farbe die Vertiefungen nicht überall erreicht.
Die Bogen sind nicht identisch. Stärke und Farbton schwanken leicht, weil jeder Bogen von Hand geschöpft wurde. Bei einem einzelnen Abzug ist das Charakter. Bei einer Auflage von dreißig Stück, die alle gleich aussehen sollen, solltest du genug Blätter aus einer Bestellung nehmen und vorher ein paar Probeabzüge machen.
Es ist kein Papier für die Presse. Also, es funktioniert dort auch – aber sein Vorteil liegt beim Handdruck. Wer eine Presse hat, hat ohnehin mehr Auswahl.
Welches Papier für was
Beides gibt es bei mir in A4, naturweiß und ungemustert.
40 Gramm ist das Papier für den Handdruck. Dünn, biegsam, saugt gut. Das ist die Variante, die ich selbst benutze.
150 Gramm ist deutlich fester und eignet sich, wenn der Druck selbst zur Karte werden soll – Postkarten, Einladungen, Grußkarten. Ohne Presse brauchst du hier mehr Geduld oder eine leichte Anfeuchtung.
Die 40er gibt es im Fünfer-, Zehner- und Zwanzigerset. Im Zwanzigerset liegt das Blatt bei etwa fünfundsiebzig Cent – günstig genug, um Probeabzüge zu machen, ohne dabei zu rechnen.
Eine Bitte an dich
Ich bestelle demnächst wieder Lokta-Papier in Nepal, und ich möchte das Sortiment für Druckgrafik ausbauen: größere Bogen und weitere einfarbige Töne.
Damit ich das Richtige bestelle, wäre mir deine Rückmeldung viel wert. Welches Format brauchst du wirklich? Welche Farbtöne fehlen dir? Und welche Grammatur?
Schreib mir einfach. Ich lese jede Nachricht selbst, und was mehrfach genannt wird, kommt auf die Bestellliste.
Kurz zusammengefasst
Für Linoldruck ohne Presse ist dünnes Papier der halbe Erfolg, und Lokta liegt mit 40 Gramm genau richtig. Es ist säurefrei, also archivfest, und dank der langen Bastfasern reißfest genug fürs Reiben.
Die sichtbare Struktur ist Geschmackssache: ein Gewinn für kräftige Schnitte, eine Grenze für sehr feine Linien.
Am besten bestellst du ein kleines Set und machst drei Probeabzüge. Danach weißt du in zehn Minuten mehr als aus jedem Ratgeber.